44. Konferenz der Sportministerinnen und Sportminister der Länder
(Umlaufbeschluss 3/2020 vom 28. April 2020)
Thema:
Wiederaufnahme von Sport – Stufenweiser Wiedereinstieg in den Trainings- und
Wettkampfbetrieb
Präambel

Die Verbreitung des Corona-Virus in Deutschland hat seit Mitte März dazu geführt, dass
Bund und Länder einschneidende Beschränkungen im Alltagsleben der Bürgerinnen und
Bürger verfügen und durchsetzen mussten. Ziele sind dabei, Menschen vor einer Infektion
mit dem Corona-Virus zu schützen und gleichzeitig Sorge dafür zu tragen, dass das
Gesundheitssystem in Folge einer sprunghaften Ausweitung der Infektionen nicht überlastet
wird.
Diesen Zielen bleibt die Sportministerkonferenz (SMK) bei ihren Vorschlägen weiterhin
verpflichtet.
In den meisten Ländern ist gemäß den gültigen Verordnungen zur Bekämpfung des
Corona Virus der Sportbetrieb nahezu vollständig untersagt. Die Bevölkerung insgesamt,
aber auch die Sportverbände, Sportvereine und Sporttreibenden haben dies bislang in
großer Solidarität mitgetragen.
Bereits jetzt unterstützen Bund, Länder und Kommunen den Sport und die Vereine mit
unterschiedlichsten Maßnahmen, damit auch sie die wirtschaftlichen Folgen bewältigen
können.
Der Sport leistet auch und gerade in angespannten Zeiten seinen Beitrag zum gesellschaftlichen
Zusammenhalt, zur Erhaltung von Gesundheit und Mobilität und damit zur
Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger. Er muss daher in für die Gesamtsituation
verantwortlicher Form schrittweise wieder ermöglicht werden.
Neben Bund, Ländern und Kommunen sind vor allem auch der DOSB und seine Mitgliedsorganisationen
aufgefordert, ihre Beiträge zu einer verantwortlichen Wiederaufnahme
des Trainings- und Wettkampbetriebes zu leisten. Im Rahmen der schrittweisen Wiederaufnahme
des Sportbetriebs ist es Aufgabe des organisierten Sports, insbesondere des
DOSBs, seiner Spitzenfachverbände und der Landessportbünde, mit sportartenbezogenen
Konzepten einen verantwortungsvollen Umgang für den Sportbetrieb zu ermöglichen
und die Ausübung des Sports im Rahmen der gesetzten Vorgaben sicherzustellen.
Unter der Voraussetzung der weiteren positiven Entwicklungen zur Eindämmung der Infektion
empfiehlt die SMK die folgenden Maßnahmen zur Umsetzung frühestens ab dem
04. Mai 2020.
Beschluss
Die SMK dankt den Sportorganisationen in Bund und Ländern, den Verantwortlichen in
Vereinen und Verbänden, den vielen Ehrenamtlichen und den Sportlerinnen und Sportlern
für ihren verantwortungsvollen Umgang mit den Auswirkungen des Corona-Virus und
die große Geduld für die damit verbundenen Belastungen.
Die SMK hält eine schrittweise Wiederaufnahme des Sportbetriebs, insbesondere von
Sportvereinen, im Rahmen der schrittweisen Rücknahme der Einschränkungen des öffentlichen
und gesellschaftlichen Lebens für dringend erforderlich. Die SMK betont, dass
sie mit diesem Papier einen Rahmen aufzeigt, innerhalb dessen die Länder nach Maßgabe
der jeweiligen Erkenntnisse der 1. Lockerungsstufe konkrete Schritte beschließen
können. Dabei müssen die Ziele des Gesundheitsschutzes der Bevölkerung unverändert
im Mittelpunkt stehen.
Die SMK hält daher eine schrittweise Wiederaufnahme des Sportbetriebes wie folgt für
angemessen:
1. Sport- und Trainingsbetrieb im Breiten- und Freizeitsport
a. Der Sport- und Trainingsbetrieb kann nach Maßgabe der folgenden Regeln
im Breiten- und Freizeitsport in einem ersten Schritt wieder erlaubt werden,
wenn die Sportangebote
 an der „frischen Luft“ im öffentlichen Raum oder auf öffentlichen oder privaten
Freiluftsportanlagen stattfinden,

 sie einen ausreichend großen Personenabstand gewährleisten (1,5-2 Meter),
 kontaktfrei durchgeführt werden, insbesondere bei Kontakt- und Mannschaftssportarten
ohne Wettkampfsimulationen und -spiele,
 die Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen, insbesondere bei der gemeinsamen
Nutzung von Sportgeräten, konsequent eingehalten werden,
 die Umkleidekabinen ebenso wie Gastronomiebereiche geschlossen bleiben,
 Bekleidungswechsel, Körperpflege und die Nutzung der Nassbereiche
durch die Sporttreibenden nicht in der Sportstätte stattfinden,
 eine Steuerung des Zutritts zu den Sportanlagen unter Vermeidung von
Warteschlangen erfolgt,
 die Nutzung von Gesellschafts- und sonstigen Gemeinschaftsräumen untersagt
wird,
 Risikogruppen keiner besonderen Gefährdung ausgesetzt werden,
 keine Zuschauer zugelassen werden.
b. Vor dem Hintergrund der unter 1a. genannten Regeln wird eine Differenzierung
nach bestimmten Sportarten oder Altersgruppen von der SMK sportfachlich
nicht für sinnvoll erachtet.
c. Der DOSB setzt mit den von ihm weiter zu entwickelnden 10 Leitplanken einen
sportfachlichen Rahmen zur Umsetzung des SMK Beschlusses und die
Grundlage für die von den Fachverbänden zu erarbeitenden sportartspezifischen
Empfehlungen. Die Landessportbünde und Landesfachverbände sollen
die Sportvereine auf dieser Grundlage dahingehend unterstützen, wie ein
sportartspezifisches Training unter strenger Einhaltung des hier vorgegebenen
Rahmens umgesetzt werden kann.

2. Trainingsbetrieb im Leistungssport
Ausnahmeregelungen für das Training der Berufssportlerinnen und -sportler und
der Kaderathletinnen und -athleten der olympischen und paralympischen Sportarten
unter Einhaltung der hygienischen und medizinischen Vorgaben an Bundes-,
Landesstützpunkten oder den Olympiastützpunkten bestehen weitgehend
schon jetzt in den meisten Ländern und sollten ansonsten ermöglicht werden.
Hierbei bietet die „Prozessbeschreibung zur schrittweisen Aufnahme des Trainingsbetriebes
an potenziellen Trainingsstätten für Bundeskader“ des DOSB vom
07. April eine geeignete Grundlage zur konkreten Umsetzung.
Die SMK spricht sich dafür aus, in einem weiteren Schritt weitere Lockerungen im Sport
durchzuführen:
3. Wettkampfbetrieb
Zu einem späteren Zeitpunkt kann sukzessive ein Wettkampfbetrieb, der die o.g.
Rahmenbedingungen einhalten kann, ggf. ohne Zuschauerinnen und Zuschauer,
wiederaufgenommen werden.
Die Wiederaufnahme des Wettkampfbetriebs ist daher grundsätzlich in den
Sportarten zuerst denkbar, bei denen die Einhaltung coronabedingt erlassener
Hygiene- und Abstandsregeln gesichert erfolgen kann. Das bedeutet, dass ein
Wettkampfbetrieb in Kontakt- und Mannschaftssportarten erst als letzter Schritt
wieder zulässig sein wird, da hier der o. g. Rahmen nicht eingehalten werden
kann.
4. Sonderfall „Berufssport“ und sog. Geisterspiele
a. Die Sonderstellung von Berufssportlerinnen und Berufssportlern erfordert –
auch rechtlich – eine gesonderte Beurteilung. Hier hält die SMK Sonderregelungen
für vertretbar, solange der Spiel- und Wettkampfbetrieb unter Ausschluss
von anwesenden Zuschauerinnen und Zuschauern vertretbar durchgeführt
werden kann.
b. Die SMK dankt der Deutschen Fußball Liga (DFL) und dem Deutschen Fußball-
Bund (DFB) für das von der Task Force „Sportmedizin/ Sonderspielbetrieb
im Profifußball“ vorgelegte Konzept zur Durchführung von sog. „Geisterspielen".
c. Die Fußball-Bundesliga hat ein erkennbares Interesse an der Fortsetzung ihres
Spielbetriebes auch unter Ausschluss anwesender Zuschauerinnen und
Zuschauer im Stadion (sog. „Geisterspiele“). Die SMK hält die Fortsetzung
des Spielbetriebes und mithin die Begrenzung des ansonsten entstehenden
wirtschaftlichen Schadens in der 1. und 2. Fußballbundesliga für die dort
startberechtigten 36 Vereine auf deren Kosten ab Mitte/Ende Mai für vertretbar.
Soweit sich die Konzepte bewährt haben und eine entsprechende Wirtschaftlichkeit
für die betroffenen Vereine gegeben ist, kann dies mit einer zeitlichen
Verzögerung auf die Frauen-Bundesliga und den DFB Pokal ausgeweitet
werden.
- Die DFL hat im Sinne der Sportler und der ansonsten Beteiligten strengste
hygienische und medizinische Voraussetzungen zu schaffen, durchzusetzen
und gegenüber den Vereinen zu überprüfen (u.a. auch Testverfahren,
Quarantänemaßnahmen usw.). In diesem Zusammenhang begrüßt die
SMK die Steigerung der Testmaßnahmen der Bundes- und Landesregierungen
in allen notwendigen gesellschaftlichen Bereichen, so dass die
notwendigen Testverfahren im Rahmen der Durchführung von sog. „Geisterspielen“
nicht zu Lasten der Allgemeinheit gehen.
- Die SMK weist daraufhin, dass im Falle einer positiven Testung von Spielern
und Betreuern Quarantänemaßnahmen für das betroffene Team erforderlich
sind.
- Die TV-Produktion der einzelnen Spiele ist mit geringstmöglichem Personal
unter strengen hygienischen Auflagen durchzuführen.
- DFL und Vereine haben ihren Beitrag zu leisten, dass auch im Umfeld der
Stadien von „Geisterspielen“ keine Fangruppen aufziehen.
d. Die SMK hält eine Fortsetzung des Spielbetriebs anderer Sportarten in Form
von „Geisterspielen“ für möglich, sofern entsprechende Konzepte durch die jeweilige
Liga erarbeitet werden.